In der letzten Woche berichteten wir bereits von den
drei Big Playern, Portability und Offenheit. Alle drei aufgeführten Kandidaten sind echte Namen im Internetbusiness, mischen mehr oder weniger in Sachen Social Web und Social Networks mit und haben angekündigt jetzt offener zu werden.
Aber warum und warum gleich alle drei?
1. BE INNOVATIVE (OR KEEP UP WITH YOUR OPPONENT)
Wie im letztwöchigen Artikel schon erwähnt, dürfte einer der banalsten Gründe sein, dass jeder der erste sein will mit neuen Innovationen oder zumindest nicht lange auf sich warten lässt mit der Konkurrenz gleichzuziehen. In Zeiten in denen der User an Macht gewinnt und die Userbindung immer schwächer wird tun die großen gut daran ihre Schäfchen bei Laune zu halten und immer mal wieder mit neuen Features zu füttern. Tun sie das nicht stehen die Chancen nicht schlecht, dass der User sich spontan für eines der anderen Netzwerke entscheidet - Auswahl gibt es ja inzwischen genug. Eine
Studie von 20bits zum Beispiel belegt, dass Facebook scheinbar langsam langweilig zu werden droht (die Neuanmeldungen und Posts zum Beispiel sind empfindlich weniger geworden). Eine daraufhin durchgeführte Umfage unter mashable-Lesern zu dem Thema
“Are You Fed Up With Facebook?” bestätigt den Trend und ergibt, dass nur noch 13% der Teilnehmer kein bisschen gelangweilt sind.
Daraus lässt sich folgern: Unterhalte deine Gemeinde mit schönen neuen Features und wenn du nicht als erstes die Idee hattest, zieh mit. Data Portability und Openness sind eine prima Idee und dürfte den Usern gefallen.
2. GET MORE USER
Das große Problem im Social Web Business im Moment ist, dass die User meist nicht bereit sind für soziale Netzwerke zu zahlen (glorreiches Gegenbeispiel wäre zum Beispiel Xing.com - just to mention one example). Bedenkt man den Aufwand mit Programmierern, Administratoren, Helpdesk, Serverfarmen etc., so ist klar, dass diese Ausgaben finanziert werden müssen.
Aber wie verdienen die Großen dann ihr Geld? Im Moment dürfte dies überwiegend durch Werbung sein oder irgendwelche kommerziellen Programme. Das bedeutet, je mehr Mitglieder dabei sind und an das Netzwerk gebunden sind, desto besser. Die Nutzerbindung steigt und es kann potentiell mehr Werbung geschalten werden. Würden die Seiten zudem zu einer
“zentralen Anlaufstelle im Netz”, würden die Seiten nebst mehr Users/Klicks auch im Generellen attraktiver für die Werbewirtschaft werden und mehr Werbung bekommen oder höhere Vergütungen.
Also auch in dieser Hinsicht bringt die Offenheit den Drei einen Vorteil. Mehr User, generell mehr Attraktivität und damit mehr Werbeeinnahmen.
3. GET MORE USER-DATA
Was aber macht (insgeheim) den größten Wert eines Netzwerkes für die Betreiber aus und warum werden Millionen von Dollar für Anteile bezahlt? Ganz einfach: User-Daten. Alle drei Netzwerke spechten nach Usern und versuchen Gollum-gleich “ihren Schatzsss” zu verteidigen. Der eigentlich wahre Wert der Netzwerke dürfte in den Millionen von User-Daten liegen, die bei Adressen angefangen, über Urlaubs- und Freizeitverhalten, bis hin zum Büchergeschmack einzelner User bares Geld wert sein dürften.
Man stelle sich nur mal die Möglichkeiten für Marktforschung und Werbestrategen vor, wenn man wirklich einfach an die Daten gelänge. Was wären diese Leute bereit zu zahlen um an die Daten zu kommen oder personalisierte Werbung schalten zu können? Man weiß es nicht, aber es dürfte die anonymen Werbeeinnahmen um ein Vielfaches übersteigen. Wie die meisten Wissen gab es auch hier schon Versuche, diesen Schatz zu heben, anfänglich genannte User-Macht jedoch machte den Planern einen Strich durch die Rechnung. Als das StudiVZ versuchte diese Daten zu nutzen, gingen die
Nutzer in Kapfstellung über und drohten schlicht mit Verlassen des Netzwerkes. Gelänge es den Betreibern dennoch irgendwann wieder so viel Macht über die Nutzer zu erlangen, die Daten verwerten zu können, so würde dies Social Networks zu wahren Goldgruben machen. Das ist auch der Grund, warum die Drei sich untereinander etwas angiften und z.B.
Facebook verhindert, dass Googles Friend Connect Zugang zu den Daten hat.
Der Zug, die Daten ansonsten (gegenüber anderen) zu öffnen und portabel zu machen ist in dieser Hinsicht dennoch ein genialer Schritt. Zwar dürfen/können die Daten für Werbezwecke nicht direkt verwendet werden, indirekt aber nutzt dieser Zug den Drei, da die Profile zu einer Art
zentralen Datenspeicher werden. Die User vervollständigen die Profile und nutzen sie um von dort aus andere Applikationen zu bedienen und Mash-Ups mit Daten zu beliefern, was für die Betreiber heißt mehr Daten und (insgeheim) mehr Wert. Ein genialer Schachzug.
Der momentan entbrannte Kleinkrieg ...
... zwischen den Drei ist interessant zu verfolgen. Alle drei öffnen sich aus oben genannten Gründen (und sicher noch ein paar mehr - ich hoffe auf Kommentare) schotten sich aber gleichzeitig gegen die Konkurrenz ab. Durch diese Züge werden die durchaus sehr medienwirksamen Terme Portability und Openness etwas ad absurdum geführt.
Ein Post auf GigaOM erfasst die Situation sehr schön:
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By Open They Really Mean Closed
This is hilarious. Google ignores MySpace. Facebook blocks Google's Friend Connect. [...]
They all think they are open. Google and Facebook trying to out anti-open each other.
“”
Was passiert als nächstes?