Die moderne Medienlandschaft wird immer schnelllebiger. Im Moment scheint die Lage so zu sein, dass noch
nicht einmal der Begriff “Web 2.0” so richtig bekannt ist und schon tüfteln die Internet-Spezialisten am
“Web 3.0”.
Ganz toll soll es werden, clever, smart, schnell und qualitativ hochwertiger als das “bisherige Internet”. Dabei besteht noch nicht einmal so richtig eine Vorstellung darüber, wie genau es funktionieren soll und was es können soll.
Der Begriff der sich wahrscheinlich am ehesten als Synonym für Web 3.0 durchsetzen wird ist das “Semantische Web”. Semantic Web bedeutet, dass neben den bisherigen Informationen, die eine Website enthält eine Art zusätzlicher Layer hinzugefügt wird. Dieser Layer könnte z.B. dem
RDF-Schema oder
OWL-Schema folgend komplexe Meta-Informationen bereitstellen, die Suchmaschinen ermöglicht, Sites logisch zu verbinden, auch wenn diese nicht explizit miteinander verlinkt sind.

Das heißt, der Mensch als logisch verknüpfende (bzw. verlinkende) Komponente würde an Bedeutung verlieren und die Maschinerie würde diese Arbeit nach vorgegebenen Regeln selbstständig übernehmen. So hat sich z.B. das vom BMWi iniitierte Programm
THESEUS der Entwicklung einer “internetbasierten Wissensinfrastruktur” im Sinne eines sematischen Webs verschrieben.
Um sich die Idee des semantischen Webs vor Augen zu führen hilft ein
einfaches Beispiel vielleicht am ehesten:
“”
Lisa hat eine Website unter lisa.de. Über einen Meta-Tag in auf ihrer Homepage verweist sie darauf, dass sie einen Sohn Namens Tom hat, der unter der Adresse tom.de zu finden ist. Eine mittels RDF-Schema erstellte Regel könnte lauten: Eine Frau, die einen Sohn hat, ist eine Mutter. So könnte eine Software, die RDF beherrscht, Lisa automatisch die Metainformation “Mutter“ zuordnen, obwohl diese Information selbst nicht im Dokument enthalten ist.
“”
Würde die Umsetzung dieser Idee funktionieren, so würden sich ganz neue Möglichkeiten ergeben hochqualitative Suchergebnisse zu erhalten. Der o.g. Aktikel auf
ZDNet.de bietet ein sehr plakatives Beispiel, das den Nutzwert des sematischen Webs besser verdeutlicht:
Der Suchterm “Ich suche einen warmen Ort, an dem ich meine Ferien verbringen kann und habe ein Budget von 3000 Dollar. Außerdem habe ich ein elfjähriges Kind.“ sollte demnach im Web 3.0 im Idealfall ein Urlaubspaket finden und planen, das allen enthaltenen Ansprüchen genügt. Es sollten also Urlaubspakete auftauchen, die Kinderfreundlich sind, an einem warmen Ort und unter 3000 Dollar kosten.
Gibt man diesen Term heute in eine Suchmaschine ein erhält man wahrscheinlich bestenfalls Seiten, mit Kuchenrezepten (”... man lasse den Teig an einem >>warmen Ort<< aufgehen ...”), Ferien auf dem Bauernhof Seiten (>>Ferien<<) und Seiten mit Erziehungsmaßnahmen (”... einem >>elfjährigen Kind<< sollte man nie ...”).
Harte Wahrheit ist, dass der Term in
Google eingegeben noch nicht einmal dazu führt. Ergebnis ist - natürlich neben dem Artikel, dem das Zitat entnommen wurde - unter anderem ein Eintrag in einem Bikerforum. Besonders traurig sind die Begriffe weshalb der Eintrag (siehe Bild) auf Platz 3 erschien: “habe”, “meine” und “kann”.
“Unpassender” geht es kaum. Aber da der Algorithmus von Google versucht möglichst viele Begriffe auf einer Seite zu finden kommen solche “irrelevanten” Ergebnisse dabei raus.
Auch könnte es möglich sein nicht nur die Inhalte - also Schlagwörter - zu verknüpfen sondern
darüber hinaus auch z.B. die Autoren. So hat die Meinung eines Autors, der für die Firma XY arbeitet bei enttäuschten Kunden ein anderes Gewicht als die Meinung eines anderen enttäuschten Kunden. Im Grunde wird also verknüpft was verknüpft werden kann. Die Autoren, die Inhalte, die Objekte, ... Alles was logisch in Relation gesetzt werden kann.
Im Gegensatz zu Web 2.0, das ja nur eine Art neue sozial-kommunikativ-orientierte Nutzungsform schon bestehender Technologien darstellt, würde das Web 3.0 einen echten Quantensprung darstellen. Die Aggregation und Aufbereitung von Nachrichten und Inhalten könnte auf hohem Niveau durch die Maschinen erledigt werden und wäre damit eine echte Weiterentwicklung. Dadurch wiederum könnten die Firmen ganz neue Businessmodelle entwickeln und von einem E-Business zu einem
“ME-Business” werden. Hier stünde der Konsument wieder im Mittelpunkt des Interesses. Kann er bisher nur nach den Informationen suchen - was bei der aktuellen Flut an Informationen nicht selten zu Information Overload führt - kommen die Informationen im Web 3.0 dann zu ihm, aufbereitet und bewertet. Die Firmen müssten also mehr auf den Nutzer zugehen und zugeschnittene Güter (Inhalte, Angebote,...) offerieren.

Einen schönen Anfang stellt die Seite
Askerus.de dar. Dort kann der Urlaubshungrige sehr detailliert eingeben welche Reise er sich vorstellt und erhält dann per Mail die individuell zugeschnittenen Angebote von Reisebüros. Das ist zwar noch nicht semantisches Web in dem Sinne, aber wenn die Angebotsaggregation dann mal von Maschinen erledigt wird ist man schon mitten drin.
Auf der Seite des THESEUS Programms finden sich
weitere schöne Anwendungsszenarien, welche zwar auf THESEUS zugeschnitten sind, aber teils sicher direkt ins Allgemeine übertragen werden können.
Letztendlich ist nur sicher, dass das Web 3.0 kommen wird, wie es aussieht weiß keiner so richtig. Die meisten (und auch Tim Berners-Lee immerhin “Father of the Internet” -
YouTube-Link) sagen das semantische Web wird sich als Web 3.0 durchsetzen (daher auch die Ausrichtung dieses Artikels), andere denken, es werden die viral verbreiteten Mashups von bestehenden Web 2.0 Applikationen sein (Eric Schmid, CEO von Google -
YouTube-Link), und
wieder andere denken es wird das 3D-Internet vergleichbar mit einer Second Life Welt sein.
Was es auch immer Web 3.0 sein mag, versuchen wir doch erstmal Web 2.0 bei der Bevölkerung und den Firmen ankommen zu lassen. Das Web 3.0 soll erst einmal in den Garagen zukünftiger Milliardäre “entwickelt werden” bis es einigermaßen “marktreif” ist. Dann bleibt immer noch genug Zeit das Spiel, die neue Technologie zu verbreiten, von vorne zu beginnen ...