Seit einiger Zeit ist der Trend zu beobachten, dass mehr und mehr Arbeitsvorgänge, die bisher auf dem PC des Users lokal verrichtet wurden, nun online erledigt werden können.
Im Jahre 1 BW
(Before Web 2.0)
Früher war die Welt recht simpel gestrickt. Der Hobbyautor mit der Aufgabe, einen kleinen Artikel für ein Provinzblatt zu schreiben, hatte früher sein Textbearbeitungsprogramm und ein Bildbearbeitungsprogramm lokal auf seinem Rechner installiert, erledigte die Arbeit offline und sandte den fertigen Artikel an den Verleger. Es war die Aufgabe des Autors den Artikel zu schreiben, sich um Versionierung und Backups zu kümmern und dem Verleger vielleicht ab und an einen Draft zukommen zu lassen.

Bild: Microsoft Word 2004 für Mac
Ein typischer Arbeitsablauf sah in etwa so aus:
1. PC anwerfen
2. Textbearbeitungsprogramm starten schreiben anfangen
3. nebenher im Browser recherchieren
4. regelmäßig den Text speichern (Versionierung per Name: Text_0.2.txt )
5. regelmäßige Backups auf den USB-Stick
6. dem Chef ab und an die letzte Version zukommen lassen
7. via E-Mail dem Text mit Hilfe eines Experten den letzten Feinschliff verpassen
8. Endgültige Version mailen
Vom Jahre 1 AW bis heute
(Anno Web 2.0)
Mit dem Aufkommen der schönen neue Web 2.0 Welt und Techniken wie AJAX begann sich der normale Arbeitsablauf (zumindest für manche) grundlegend zu verändern. Es gibt kaum einen Vorgang, für den früher Offlinesoftware gekauft werden musste, der heute nicht fast adäquat oder gar produktiver mit Hilfe von Pendants im Netz erledigt werden kann.
Das schreiben erfolgt im Browser in einer Online Office Suite, der Text wird mit dem Chef “gesharet”, die Engültige Version wird am Ende einfach runtergeladen.

Bild: writer.zoho.com Online-Schreibprogramm
Der neue typische Arbeitsablauf:
1. PC anwerfen
2. Browser starten und in eine Inline Office Suite einloggen
3. in weiteren Tabs recherchieren
4. Versionierung wird automatisch erledigt
5. Backups werden automatisch erledigt (der ängstliche Autor lädt sich vielleicht noch ab und zu ein Backup auf den Rechner)
6. das Dokument für den Chef freigeben
7. Das Dokument gemeinsam mit dem Experten zeitgleich bearbeiten
8. Chef läd Dokument runter
Es gibt viele Gründe, warum inzwischen einige Aufgaben gerne online erledigt werden, wie schon das Beispiel oben zeigt. Zum Beispiel ist es ein großer Vorteil, wenn man zeitgleich an einem Dokument arbeiten kann und in Echtzeit die Änderungen verfolgen kann, die ein Kollege an einem Dokument vornimmt. Aber auch schon die Möglichkeit Kollegen einfach Einblick in das Dokument zu gewähren ist eine großartige Möglichkeit. Die Versionierung und Backups, die manche Office Suiten vornehmen sind ein wunderbarer Vorteil gegenüber der manuellen Datensicherung. Hinzukommen ergänzende Angebote wie die Möglichkeit Terminkalender und Kontakte freizugeben (ohne teuren Exchange-Server) und so die Kommunikation wesentlich effizienter zu gestalten. Dabei sind die meisten der Services sogar kostenfrei oder die Software frei verfügbar, wie z.B. die
Open XChange Community Edition.
Der Trend geht sogar so weit, dass einfach das ganze Betriebssystem im Internet dargestellt wird. Der User bezieht sozusagen seinen eigenen virtuellen Desktop, den er nach belieben wie einen offline-Desktop gestalten kann. Vor kurzem zum Beispiel ging
Cloudo in private Alpha, ein
(fast) vollständiges Betriebssystem im Internet mit der Möglichkeit von jedem PC (oder auch Mobiltelefon) aus zu arbeiten, Dokumente automatisch zu synchronisieren und auf Wunsch mit anderen Usern zu sharen und gemeinsam zu bearbeiten.

Bild: Cluedo.com - Guided Tour
Leider sind natürlich auch Nachteile zu bedenken, wie zum Beispiel Sicherheitsaspekte, die
Verfügbarkeit der Services oder das “Bottle Neck” Internet, denn auf einem PC eine große Datei physisch zu speichern dürfte in den meisten Fällen schneller gehen als diese über's Netz schicken zu müssen (besonders, wenn man von dem Feature des mobilen Arbeitens mit dem Handy angetan ist). Weiterhin gibt der User einige Vorteile auf wie zum Beispiel Terminhinweise, wenn obwohl der Browser geschlossen wurde, die Möglichkeit unterwegs ohne Internet zu arbeiten oder Drag and Drop zwischen verschiedenen Programmen.
Trend
Die oben genannten Nachteile sind nur ein paar der Gründe, warum Kevin Lynch von Adobe Systems davon ausgeht, dass die Firmen vom “wir kollaborieren online”-Trip wieder zurückrudern zu O
ffline-Applications. Jedoch, wie Lynch denkt, zu Browser-Offline-Applications. Adobe AIR z.B. ist ein Konzept, das die Vorteile des Offlinearbeitens mit den Vorteilen des Onlinearbeitens verbindet. So kann der User online wie offline alle AIR-basierten Anwendungen plattformunabhängig (bzw. auf jeder AIR-kompatiblen Plattform) nutzen. Auch Google hat dies bereits erkannt und geht mit
Google Gears ins Rennen, das Browser-Applikationen das offline speichern von Daten erlaubt.
Wie immer in unserem Web 2.0 Metier geht der Trend also Richtung Mischformen, die das beste von allem verbinden. Ich freue mich auf die ausgereiften Anwendungen.