Alex Iskold von
Read/Write-Web hat sich Mitte letzter Woche ein paar Gedanken gemacht über den Trend im Netz, dass
immer mehr “free” angeboten wird. Jedermann mag Geschenke, jeder freut sich, wenn er etwas einfach so umsonst bekommt. So fällt es vielen kaum auf, dass man nach dem ersten kostenlosen Drink die nächsten drei bezahlen muss oder dass das kleine Geschenk zum Auto (bspw. eine Navigationsgerät) in Hinsicht auf den Gewinn der vom Händler mit dem Auto erzielt wurde lächerlich gering ins Gewicht fällt.
Mit diesem im realen Leben harmlosen Beispielen will Iskold andeuten, dass die Menschheit sich daran zu gewöhnen droht und fragt sich: “But is the concept of free taking us down a dangerous road?” Warum aber sieht Iskold “free” als Gefahr an? Ganz einfach: Er befürchtet, dass die Konditionierung der User auf “free” diese dazu bringen könnte nur noch kostenlose Angebote zu nutzen.
Das erste Problem hierbei ist folgendes: Ähnlich der Zeitschriften, die Werbung verkaufen und den Preis nach dem so genannten TKP (Tausenderkontaktpreis = Preis der Werbung pro tausend Lesern) in Rechnung stellen, tun dies Homepages nach Views und Clicks. Der große Unterschied jedoch ist, dass die Zeitungen von vornherein bezahlt worden sind (sei es durch Einzel-Kauf oder Abonnement). Die Web-Services werden “for free” angeboten. Dies führt dazu, dass die Web-Services mithin vollständig von den Einnahmen durch Werbung abhängig werden. Damit wären wir beim eigentlichen Kern des Problems: Angenommen die Wirtschaft wächst langsamer, muss sparen oder gerät gar in eine Rezession, was wird als erstes eingespart? Die Werbeausgaben! Und schon könnten von Werbung abhängige Seiten, die keine anderes solides Erlösmodell als die Werbefinanzierung haben, einfach von der Bildfläche verschwinden.
Ein weiteres Problem können große Firmen werden, die es sich leisten können Produkte “for free” zu vertreiben, da die dadurch entstehende Kundenbindung im Endeffekt mehr einbringt als der übliche Wettbewerb. Als Beispiel: IBM, das die Java IDE plötzlich kostenlos vertrieben hat und damit mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen die Konkurrenz los war, die nach wie vor Geld verlangte, oder Google, mit GMail und jetzt sogar mit seiner Office-Suite Google Texte & Tabellen. In den Händen großer Firmen führt “for free” oft zu einer Tendenz hin zu Monopolen.
Alles in allem scheinen nur wenige die Gefahr zu sehen, dass free nicht immer gut ist. Schon allein der ubiquitäre Trend für Beteiligungen an Seiten wie Facebook oder StudiVZ ohne nennenswerte Erlösmodelle (abgesehen von Werbung natürlich) astronomische Preis zu bezahlen, zeigt, dass sich noch nicht alle der Gefahr bewusst sind. Die aber ist für zwei Seiten immanent: Woher kommen denn die Werte, wenn nicht aus den Millionen von Kunden und User-Daten die in naher Zukunft spielend für zielgruppenorientierte Werbung genutzt werden können (zumindest theoretisch
wie wir gesehen haben)?
Für die Investoren eine Abhängigkeit von Werbung, für die User ein Spiel mit ihren persönlichen Daten und Abhängigkeit von einzelnen Firmen. Wollen wir das?