Dass
Google ein mächtiger Konzern ist dürfte jedem klar sein, schon allein durch die
schiere Präsenz, die die Firma auszeichnet. Auch im hart umkämpften Terrain der sozialen Communities hat sich Google mit
Orkut probiert, was in den wichtigsten “Märkten” bisher aber nur von mäßigem Erfolg gekrönt blieb.
Facebook und
MySpace dominieren hier klar.
Da offene APIs ein
wichtiger Schritt zum Erfolg sein können hat Goolge deshalb in einem
streng geheimen Meeting beschlossen einfach noch offener als die Konkurrenz zu sein.
“”
If Facebook is 98% open, Google wants to be 100%.
[...]
And that is a potentially killer strategy. Facebook has a platform to allow third parties to build applications on Facebook itself. But what Google may be planning is significantly more open - allowing third parties to both push and pull data, into and out of Google and non-Google applications.
“”
Das neue Killer-Projekt trägt den Namen
OpenSocial und ist seit 1.11. online.
Der eigentliche Clou hinter dem vollständigen Öffnen der Plattform, die jede Networking Seite einsetzen kann, liegt nicht nur darin, dass Daten vollständig aus den Netzwerken raus gezogen und rein geschoben werden können, sondern auch darin, dass die Entwickler nur noch
für eine Plattform programmieren müssen. Während die Programmierer sich früher für ihre Applikationen ein, vielleicht zwei, Netzwerke ausgesucht haben, besteht durch OpenSocial die Möglichkeit auf diese API zu bauen und damit gleich mehrere Netzwerke zu bedienen. Außerdem ist es nichtmehr von Nöten eine proprietäre Programmiersprache wie die von Facebook zu erlernen, sondern man kann sich an den
üblichen Werkzeugen HTML, JavaScript und Flash bedienen. Schlagende Argumente die API einzusetzen.
OpenSocial per se ist allerdings
kein Soziales Netzwerk, OpenSocial bietet “nur” die Möglichkeit teilnehmende Communities, die bisher als “walled gardens” dastanden, zu öffnen und zu vernetzen. Das heißt Google hat nicht in dem Sinne ein eigenes Netzwerk entwickelt sondern wird vermutlich den teilnehmenden Netzwerken deutlich mehr Nutzer bescheren.
Dennoch gelten auch hier die Gesetze des Internets, insbesondere der “critical mass”. Machen nicht genug Netzwerke mit, beziehungsweise aggregiert sich die Anzahl der Nutzer nicht auf eine kritische Masse, wird es OpenSocial schwer haben. Die ursprünglichen Partner Engage.com, Friendster, hi5, Hyves, imeem, LinkedIn, Ning, Oracle, orkut, Plaxo, Salesforce.com, Six Apart, Tianji, Viadeo und XING dürften schon eine solide Basis bilden, der
Einstieg von MySpace dürfte OpenSocial jedoch von einer Sekunde auf die nächste in sicheres Fahrwasser katapultiert haben. Mit 180 Millionen Mitgliedern ein mächtiger Partner.
Das Amüsante daran ist, dass OpenSocial sicher ein Differenzierungskriterium zwischen OpenSocial-Partnern und Facebook angesehen werden kann, OpenSocial aber theoretisch für jedes Netzwerk offen ist. Das heißt, Facebook müsste auch willkommen sein, wenn sie denn wollten. Dennoch ist
etwas unklar ob sie denn eingeladen wurden oder nicht:
“”
When Google was asked during the press conference earlier today if they had invited Facebook into OpenSocial, the answer was “yes,” and then changed to “we can’t comment, followed by “we have reached out to virtually everyone in this space” [...].
“”
Etwas eigenartig einen potentiellen Partner den man angeblich gerne dabei haben möchte
nicht zu fragen ob er Interesse hat. Die Meinungen der Experten gehen jedenfalls etwas auseinander ob Facebook beitreten
sollte,
wird oder
nicht muss.
Wie bei jeder schönen neuen Sache gibt es auch ein paar dunkle Seiten zu bedenken. Zum Beispiel
die Rolle von Google. Wird Google als Leader agieren oder mehr als Lenker? Wird Google die Möglichkeit haben auf die “durchfließenden” Daten zuzugreifen?
“”
Google has control over a frightening amount of information about our world, from maps and email to genetics and the world's libraries. Tell me it's a brave new, open social world and Google is leading the charge and I can't help but be skeptical. They make great apps but I won't accept the brain implant no matter how open Google assures me it will be.
“”
Weiterhin stellt eine vollständig offene API, die von so vielen Netzwerken unterstützt wird, ein immens interessantes Ziel für Angriffe dar. Die schiere Menge an Daten und die Möglichkeit sie zu verknüpfen. Google wird viel tun müssen um sicherheitstechnisch immer einen Schritt voraus zu sein, was ihnen bisher nicht gelungen ist, denn die erste OpenSocial Applikation wurde bereits nach
45 Minuten (!) gehackt.
Wie immer bleibt die Entwicklung spannend. Mit 100% Sicherheit kann nichts vorhergesehen werden, aber eine Interoperabilität zwischen den großen sozialen Netzwerken klingt durchaus verlockend obgleich die Social Networks Landschaft wahrscheinlich erst einmal Zeit braucht um zu reagieren. Die Applikationen die für OpenSocial zu bekommen sind halten sich bisher jedenfalls in Grenzen.