Warum ist CrowdSourcing (für manche) interessant?
Die unternehmerische Landschaft hat sich die letzten Jahre stark verändert. War es zeitweise der sichere Schlüssel zum Erfolg Economies of Scale und Scope zu erzielen, führte dies zu großen, trägen, bürokratie-gebremsten Firmen-Giganten. Alsbald stellte man fest, dass der Kunde begann Ansprüche zu stellen, wodurch die Massenproduktion an Attraktivität verlor. Weiterhin öffneten sich die Binnen-Märkte dem weltweiten Handel und die Firmen sahen sich dem globalen Wettbewerb gegenüber.
Das zwang die Firmen dazu schnell und flexibel auf Wettbewerb und Kundenwünsche reagieren zu können. Bald reagierten die Firmen mit Outsourcing, Projektorganisation und virtuellen Teams um die Unternehmen flach und flexibel zu halten. Aber auch diese Organisationsformen kosten viel Geld. Was wäre, wenn man manche Prozesse umsonst verrichten lassen könnte?
Insbesondere mit dem Aufkommen des Internetzeitalters und dem Web 2.0 wurde ein neues Prinzip entdeckt, das quasi kostenlose Arbeitsleistung ermöglicht. Plötzlich konnte man die breite Masse effizient erreichen und nicht nur das, man konnte mit der breiten Massen in einen Dialog treten und noch viel besser: Die breite Masse konnte untereinander in einen Dialog treten. Die Grundsteine für das CrowdSourcing waren gelegt.
Natürlich funktioniert das ganze nicht ganz so märchenhaft wie oben postuliert (kostenlose, qualitativ hochwertige Arbeitsleistung), aber an den richtigen Stellen eingesetzt hat CrowSourcing in der heutigen Unternehmenslandschaft Potential und damit eine Berechtigung.
Wie muss man sich das vorstellen?
Wikipedia (selbst ein Beispiel für Crowdsourcing) beschreibt das ganze so: ”
Crowdsourcing is [...] the act of taking a task traditionally performed by an employee or contractor, and outsourcing it to an undefined, generally large group of people, in the form of an open call”. Anstatt also Tasks auszuschreiben und an Drittfirmen auszulagern wird die Aufgabe an die breite Masse gestellt. Die breite Masse versucht dann das Problem zu lösen.
Aber warum tut die breite Masse das? Manchmal ist es so, dass die Firmen für die Lösung der Aufgabe ein Honorar in Aussicht stellen. Wird die Aufgabe mit einem gewissen Qualitätsstandard gelöst, wird also Geld an die Person oder beteiligten Personen ausgeschüttet, die an der Lösung maßgeblich beteiligt waren. Manchmal aber handelt die Masse auch aus einer intrinsischen Motivation heraus (sozusagen aus sich selbst heraus, nicht aus materiellen Motiven) und löst die Aufgabe unentgeltlich. Solche Motivationen können z.B. Spass am Lösen der Aufgabe oder der Wunsch nach Verbesserung eines Produktes sein.
Vorteile für die Firmen sind dabei, dass die Aufgabe umsonst oder zumindest meist günstiger gelöst wird als von Drittfirmen, die Ausschüttungen nur anfallen, wenn die Aufgabe auch wirklich gelöst wird und unter Umständen Wissen genutzt wird, das in der Firma garnicht vorhanden ist. Zudem ist das Konzept besonders geeignet für kreative Tasks bei denen der Geschmack der Masse getroffen werden muss (customer demands).
So kann es z.B. sein, dass ein einziger Teilnehmer Wissen hat, das notwendig ist die Aufgabe zu lösen, das in der Firma niemand besitzt, oder dass viele Teilnehmer kollektiv eine Lösung erarbeiten, die besser ist, als jede, die ein einzelner (oder einzelnes Unternehmen) hätte entwickeln können. Im letzten Fall spricht man von
Schwarmintelligenz oder Weisheit der Massen.
Prima. Wie kann ich loslegen?
Eine Möglichkeit für Firmen wäre z.B. sich der Seite
InnoCentive.com zu bedienen. Hier können Firmen sich einschreiben und finanzielle Anreize für die Lösung der Probleme ausschreiben. Nach Angaben von Innocentive kann man damit “
[...] thousands of Solvers - scientists, inventors, engineers, business people and research organizations [ - ]” erreichen. Am Ende wird aus den Ideen ausgewählt und nur die beste Idee erhält den Geldbetrag. Gleichermaßen können sich hier die “Löser” anmelden und im Falle der besten Idee das Geld einstreichen.
Ein Beispiele für Crowdsourcing
Ein schönes Beispiel ist die Seite
Marcetocracy.com. Hier kann sich jeder anmelden und mit einem virtuellen Startkapital von 1.000.000 USD an der Börse handeln. Marcetoracy überwacht die Transaktionen und beobachtet die Investmentstrategien. Stellt sich eine als besonders erfolgreich heraus lässt Marcetocracy Capital Management diese Strategie in ihre realen Fondstransaktionen einfließen und der virtuelle Händler wird belohnt. Der Fonds der durch die Weisheit der Massen beeinflusst wird ist real als Geldanlage zu erwerben und soll ein geringeres Beta haben (also ein geringeres Risiko) als der S&P 500 und zugleich eine höhere Rendite. Ein schönes Beispiel für Crowdsourcing und ein interessantes Projekt für Finanzexperten, die sich für die Informationseffizienz der Märkte interessieren.
Ein anderes Beispiel ist die Bookmarking Community
Mister-Wong.de die ein neues Logo gebraucht haben. Auf das beste Logo wurde einfach eine Prämie ausgeschrieben woraufhin
1800 Logovorschläge eingeschickt wurden. Getreu des Crowsourcing Paradigmas durften wiederum die Mister-Wong Mitglieder die besten 12 wählen. Danach bestimmte eine Jury die besten drei aus denen der Betreiber sich dann das beste aussuchen konnte.
Vorsicht ist dennoch geboten!
So schön es klingt sozusagen das gebündelte Wissen tausender Individuen zu nutzen, auch dies ist
mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel bei der Wahl eines neuen Logos muss man aufpassen, dass der Designer nicht ein altes Logo gewählt hat und nur den Namensschriftzu verändert hat um Chancen auf das Geld zu haben bei möglichst wenig Arbeit. Zudem werden die Teilnehmer nur ein begrenztes Involvement entwickeln, da es ihnen mehr um das Geld geht als um hohe Qualität.
Eines der größten Probleme kommt allerdings erst nach der Wahl für die beste Lösung auf: Mit der Wahl für eine Lösung entscheidet sich die Firma auch für eine Person oder Gruppe mit der sie zusammenarbeiten muss um das Projekt zu beenden. Über die Einsender der Vorschläge ist bis dahin aber kaum etwas bekannt! Nicht selten scheint es unmöglich mit den Gewinnern zusammenzuarbeiten, sie verschwinden einfach oder verlangen noch mehr Geld für die Finalisierung der Arbeit. Manchmal sitzen sie auch im Ausland und sprechen gar eine andere Sprache (und kein Englisch).
So schreibt
Mike McDonald:
The appeal of crowdsourcing as an alternative of hiring a designer or design firm is easily understood. Initial costs are dramatically lower, often times more concepts are presented throughout the various stages of the project, and a wide variety of styles are represented. In all the glitz and glamour of crowdsourcing and how much you could potentially receive while offering so little in return, it is also easy to overlook a tried and true pearl of wisdom that applies to any business deal; you often get what you pay for.